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Geschichte der Landauer Kirche

Am höchsten Punkt der Bergstadt steht die Kirche, die mit ihrem 45 Meter hohen Turm weit über Landau hinaus zu sehen ist.
Ihre heutige Gestalt ist das Ergebnis von An- und Umbauten über Jahrhunderte. Zunächst wurde am Ende des 13. Jahrhunderts eine kleine Kapelle, die "Marienkapelle", in romanisch-frühgotischem Stil errichtet. Dieser quadratische Ostteil, der heute als Chor dient, entstand über einer Krypta, die später als Begräbniskapelle für die Landauer Grafenfamilie diente. 1901 wurde die Krypta geschlossen. Wann diese "Marienkapelle" durch Schiff und Turm zu einer Kirche erweitert wurde, lässt sich heute nicht mehr nachweisen. Die nach Westen angebaute Hallenkirche und der Spitzbogen der durchbrochenen Wand zeugen vom gotischen Baustil, der sich zur Errichtungszeit durchgesetzt hatte.

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Als Schutzheiligen erhielt das Langschiff St. Georg. Dementsprechend zeigt der östliche Schlussstein als Übergang von der "Marienkapelle" eine Darstellung der Marie mit dem Kinde. Der westliche Schlussstein bildet den Heiligen St. Georg ab. Die Brustbilder an den westlichen Mittelpfeilern weisen auf eine Entstehungszeit von 1390 bis 1400 hin. Der Auf- und Ausbau von Schiff und Turm erstreckte sich über etwa 150 Jahre. Mit Einführung der Reformation in Waldeck (1529) wurde die Kirche evangelisch.

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Im Jahre 1523 wurde in Meitersdorf (bei Frankenberg) eine Doppelmuttergottes im Strahlenkreuz für das Kloster Volkhardinghausen geschnitzt und nach der Reformation als "Landauer Christkindchen" in den Chorraum der Landauer Kirche gehängt. Bei der Renovierung im Jahre 1900 wurde dieses außergewöhnlich gute Kunstwerk – weil "katholisch" und wurmstichig – an das Landesmuseum für Kunst und Kultur in Münster verkauft, wo es heute noch zu bewundern ist.

1550 wurde neben dem Grafenschloß auch der Kirchturm vollendet.


Zur ersten Kirchenrenovierung kam es 1579. 1625 sammelten die Landauer Bevölkerung für ihre erste Orgel, die bis heute mehrere Nachfolgerinnen hat.

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Im Jahre 1717 brach man bei einer erneuten Renovierung zusätzliche Fenster ins Mauerwerk. Auf einer Zeichnung von 1900 ist zu sehen, dass bis dahin die Kirche einen Mittelgang besaß. Links und rechts nahmen die Kirchenbesucher in der damals strengen Trennung nach Häusern und Geschlecht Platz. Mit der Renovierung um 1900 wurde dann das Gestühl geändert und alles beseitigt, was an die katholische Vergangenheit erinnerte (Beichtstuhl, Catherinenaltar, Weihwassergefäße u.ä.). Der vor dem Chor befindliche hölzerne Marienaltar wurde durch einen steinernen im Chor ersetzt. Die 1901 angelegte große Freitreppe zur Mittelstraße nahm den Seitengängen die Bedeutung.

Die Erneuerung der Ausmalung im Jahr 1954 mag zwar unseren restauratorischen Vorstellungen nicht mehr entsprechen, bracht aber die architektonische Gestaltung des Innenraumes wieder mehr zur Geltung.

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Der Turm und die dort aufgehängten Glocken sind Eigentum der Stadt. Die drei Bronzeglocken stammen wahrscheinlich aus dem Kloster Volkhardinghausen. Die größte von ihnen wurde 1341 gegossen. In den Weltkriegen eingeschmolzen wurden die Mittagsglocke von 1457 (Zweiten Weltkrieg) und auch die Kaffeeglocke – das Original im Ersten und die Ersatzglocke im Zweiten Weltkrieg. Die Bezeichnungen ergaben sich aus der verschiedenen Verwendung: Die große Glocke erklingt bei vollem Geläut; die Mittagsglocke wurde um 11 gezogen, um auf dem Feld arbeitenden Gespanne die Rastzeit zu melden, und die Kaffeeglocke um 15 Uhr. Diese letzte hieß auch Schwedenglocke, weil sie nach dem Friedensschluß 1648 die Bürger zusammenrief, nachdem ein Herold die Kunde gebracht hatte.

Die Klimperglocke wurde früher eine Viertelstunde vor Beginn des Unterrichts und des Gottesdienstes sowie vor und nach dem Abendmahlsgang gezogen. Für das 9-Uhr-Abendläuten wurde der Stadtdiener schon im Jahr 1679 entschädigt; angeblich hat das abendliche Läuten einer Glocke einem verirrtem Wanderer den Rückweg aus dem dunklen Wald gewiesen.


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